Vom ersten Aufschlag in der Qualifikation bis zum letzten Ass im Finale: Die zweite Ausgabe der Bonn Open lieferte acht Tage lang packenden Spitzensport auf höchstem Niveau. Über 12.000 Zuschauer verfolgten vom 3. bis 10. August 2025 auf der Anlage des TC Blau-Gelb Bonn-Beuel, wie internationale Profis und aufstrebende deutsche Talente um 75 ATP-Punkte und knapp 100.000 Euro Preisgeld kämpften. Das Finalwochenende war restlos ausverkauft.
Ein Teilnehmerfeld der Extraklasse
Das Hauptfeld bot Tennis auf internationalem Topniveau. Angeführt wurde das Tableau vom Belgier Raphaël Collignon (ATP 85), der in den zwölf Monaten vor dem Turnier vier Challenger-Titel gesammelt und sich damit dauerhaft in den Top 100 etabliert hatte. An seiner Seite stand mit dem Niederländer Botic van de Zandschulp ein weiterer Top-100-Spieler, der zuletzt beeindruckende Siege gegen Carlos Alcaraz, Rafael Nadal und Novak Djokovic verbucht hatte. Dazu gesellten sich Grand-Slam-Veteran Marco Cecchinato – einst Halbfinalist der French Open und früherer Top-20-Spieler – sowie der schwedische Publikumsliebling Mikael Ymer, der bereits bei allen vier Grand Slams im Hauptfeld gestanden hatte.
Für das heimische Publikum besonders spannend: Vier deutsche Nachwuchstalente im Alter von 17 Jahren erhielten Wildcards und nutzten die Bühne eindrucksvoll. Jamie Mackenzie, Diego Dedura, Niels McDonald und Max Schönhaus – gemeinsam verkörperten sie die Zukunft des deutschen Herrentennis.
Deutsche Highlights in der ersten Woche
Gleich am zweiten Turniertag sorgte Jamie Mackenzie für das emotionalste deutsche Ergebnis. Der 17-Jährige eröffnete das Hauptfeld auf dem Center Court und besiegte den Brasilianer Matheus Pucinelli de Almeida 6:0, 6:4 – sein allererster Sieg bei einem ATP-Challenger überhaupt. Das Publikum feierte ihn frenetisch. Im Achtelfinale unterlag er dem späteren Finalisten Rodionov, hatte sich aber in die Herzen der Bonner Tennisfans gespielt.
Max Schönhaus, der wenige Wochen nach dem Turnier die ITF-Junioren-Weltmeisterschaft 2025 gewinnen sollte, zeigte in der Qualifikation und im Doppel sein Ausnahmetalent. Im Doppel bildete er gemeinsam mit Niels McDonald – dem Junioren-Sieger der French Open 2025 – ein Wildcard-Duo, das bis ins Achtelfinale vordrang und die Zuschauer mit unterhaltsamen Kombinationen begeisterte. Auch Lucky Loser Mats Rosenkranz überraschte positiv: Der 26-Jährige aus Essen rückte für den verletzungsbedingt abgesagten van de Zandschulp nach und gewann souverän gegen den Franzosen Clément Tabur, bevor er im Achtelfinale gegen Lautaro Midon ausschied.
Ab den Viertelfinals schraubte sich die Spannung auf ein neues Niveau. Kein einziges Match ab der Vorschlussrunde fand seinen Sieger ohne Verlängerung. Der ungesetzte Kasache Timofey Skatov sorgte für die größte Überraschung, als er Topfavorit Collignon in einem 2:49-Stunden-Krimi 6:4, 4:6, 7:5 eliminierte. Im zweiten Halbfinale drehte Jurij Rodionov ein österreichisches Duell gegen das Toptalent Joel Schwärzler nach einem klaren Satzverlust noch eindrucksvoll.
Das Doppelfinale: Fünf Matchbälle – und ein deutsches Herz bricht
Den emotionalen Höhepunkt der gesamten Woche lieferte das Doppelfinale am Samstag. Das deutsche Wildcard-Duo Tim Rühl und Patrick Zahraj hatte sich als Überraschung des Turniers erwiesen: Im Laufe der Woche hatten sie das topgesetzte Duo Arribage/Sanchez aus dem Wettbewerb genommen und sich ins Finale gespielt. Dort kämpften sie gegen Mick Veldheer (Niederlande) und Neil Oberleitner (Österreich) um den Titel. Was folgte, war reines Tennis-Theater. Beim Stand von 6:5 im zweiten Satz vergab das deutsche Duo zwei Matchbälle beim eigenen Aufschlag und verlor den Tiebreak. Im entscheidenden Match-Tiebreak führten Rühl und Zahraj 9:7 – und lagen dann trotzdem insgesamt fünf Matchbälle vor sich. Alle fünf blieben ungenutzt. Am Ende triumphierten Veldheer und Oberleitner 4:6, 7:6(3), 12:10. Die Zuschauer spendeten beiden Teams stehende Ovationen.
Das Finale: Rodionov dreht die Partie
Am Sonntag bot der vollbesetzte Center Court den würdigen Rahmen für ein packendes Endspiel. Jurij Rodionov (ATP 185) erwischte gegen Timofey Skatov keinen guten Start: Drei Breaks kassiert, ein Satz verloren – 3:6. Doch der österreichische Linkshänder, der in Nürnberg geboren wurde und seit Kindheitstagen eine enge Verbindung zu Deutschland pflegt, fand im zweiten Satz zurück zu seinem Aufschlagspiel. Mit wuchtigen Grundlinienschlägen dominierte er den dritten Durchgang und verwandelte nach 2:14 Stunden Spielzeit seinen zweiten Matchball – mit seinem 15. Ass der Partie. „Ich bin stolz auf meine Performance in dieser Woche und froh, dass ich das Turnier gewonnen habe. Ich habe in jedem Match versucht, meinen Spielplan umzusetzen. Beim Stand von 5:4 im dritten Satz landeten zwei Returns von Timofey im Aus. Das hat es am Ende entschieden."
Für Rodionov war es der achte Titel auf der Challenger-Tour und der zweite in Deutschland. Nach dem Turnier kletterte er auf Rang 154 der Weltrangliste. Finalist Skatov verbesserte sich auf ATP 259.
Einzel-Finale: J. Rodionov (AUT) d. T. Skatov (KAZ) 3:6, 6:2, 6:4
Doppel-Finale: N. Oberleitner (AUT) / M. Veldheer (NED) d. T. Rühl (GER) / P. Zahraj (GER) 4:6, 7:6(3), 12:10